Nicht nur beim Menschen machen sich Zivilisationskrankheiten immer mehr bemerkbar. Ob Diabetes, Futtermittelallergien, Fettleibigkeit ... Auch bei unseren Hunden sind solche Krankheiten auf dem Vormarsch. Ein Grund dafür könnten die nicht artgerechte Behandlung der Tiere und die übertriebene Vermenschlichung unserer Fellnasen sein. Es ist an der Zeit, wieder mehr Natur in den Alltag zu bringen. Bei uns selbst und bei unseren Vierbeinern.
Die Vermenschlichung unserer Fellnasen – eine Gefahr?
Heutzutage gibt es Hunde im Daunenmantel, Hunde mit kariertem Schal oder Glitzer-Geschirr. Der Hund von Welt geht zu seinem eigenen Friseur, trifft sich an schicken Plätzen in der Stadt auf der eigens ausgewiesenen Hundewiese oder misst sich auf Schönheitswettbewerben mit Artgenossen. Kurzum: das Leben eines Hundes enthält (fast) alles das, was wider seiner Natur ist. Diese „Vermenschlichung“ kann bei Stadthunden meist ausgeprägter beobachtet werden als bei Hunden, die auf dem Land leben. Fernab von der freien Natur gewöhnt sich ein Hund in der Großstadt (notgedrungen) schnell an Straßenlärm, Betonwüsten und eingezäunte Freilaufzonen. Gott sei Dank sind unsere Hunde Meister der Anpassung und können auch in der Stadt ihre Komfortzone finden.
“Der Hund braucht sein Hundeleben. Er will zwar keine Flöhe haben, aber die Möglichkeit sie zu bekommen.” (Robert Lembke)
Das Fehlen von Natur und Natürlichkeit betrifft bei Hunden jedoch nicht nur Wohnraum und Revier, sondern auch den Fressnapf: Fleisch wird durch Getreide ersetzt, anstatt auf natürlichen Geschmack wird auf künstliche Aromastoffe und statt auf frische Zubereitung setzt man auf synthetische Konservierungsstoffe. Das fehlende Maß an Natur hinterlässt beim Hund, genau wie bei uns Menschen, Spuren. Und aus diesen können Krankheiten entstehen, welche als sogenannte Zivilisationserkrankungen immer häufiger beim Vierbeiner diagnostiziert werden.
Krank durch Futtermittelallergien
Strauss, Antilope, Känguru – immer wildere Exoten halten Einzug in die Futternäpfe unserer Hunde. Grund hierfür sind Futtermittelallergien gegen tierisches Eiweiß, manche Getreidesorten, Milch- oder Sojaprodukte. Diese Form der Reaktionen auf bestimmte Nahrungsbestandteile nimmt beim Hund stetig zu. Gefördert durch Umweltbelastungen und minderwertige Futtermittel wird mittlerweile jede dritte Hauterkrankung beim Hund durch eine Futtermittelallergie ausgelöst.
Neben Futterbestandteilen kann der Hund auch gegen Umweltstoffe in seiner Umgebung allergisch reagieren. Eine sogenannte Kontaktallergie kann z.B. durch Decken, Shampoo oder Halsbänder ausgelöst werden und äußert sich durch deutliche Hautsymptome.
Da es bis heute keine zuverlässigen Testsysteme für die Diagnose einer Futtermittelallergie beim Hund gibt (Testsicherheit der gängigen Tests liegt bei nur etwa 50 %), ist die einzige Diagnose-Möglichkeit der Ausschluss aller anderen Erkrankungen. Bei einer Futtermittelallergie muss eine sogenannte Ausschlussdiät durchgeführt werden, die aus einer exotischen Fleischsorte und einer einzigen Gemüsekomponente besteht und über mindestens 8 Wochen durchgeführt werden muss.
Schreckgespenst Krebs und entarte Zellen
Die Industrialisierung hat das Nahrungsspektrum und das Essverhalten des Menschen entscheidend verändert. Laut Studien aus der Krebsforschung hat sich der Stärkeanteil massiv erhöht und dadurch die Krebsanfälligkeit verstärkt. Dieser Umstand hat sich leider, mit einer gewissen Verzögerung, auch auf den Vierbeiner übertragen, denn auch er bekommt in der modernen Zeit mehr Getreide im Napf präsentiert, als gesund für ihn wäre. Das größere Angebot von Kohlenhydraten bzw. Zucker bietet entarteten Zellen reichlich Treibstoff. Dies liegt am Energiegewinnungsprozess, der sich von gesunden Zellen unterscheidet, was in der Krebsforschung 2005 erstmalig belegt werden konnte.
Während im Energiezentrum einer gesunden Zelle Protein, Fett und nur ein sehr kleiner Anteil Zucker in Energie umgewandelt werden, hat sich die Krebszelle auf die ausschließliche Nutzung von Zucker spezialisiert. Am Ende dieses Prozesses entsteht dabei Milchsäure, welche im weiteren Verlauf umgebendes Gewebe schädigt und Metastasen einen einfachen Weg ebnet.
Wenig Getreide oder der komplette Verzicht darauf bedeuten wenig Treibstoff für die bösen Zellen. Dies ist neben der schlechten Verdaulichkeit des Hundes für Getreide somit ein weiteres wichtiges Argument diese Kohlenhydrate nur im geringen Umfang zu füttern. Während sich in der Ernährungsforschung der Zweibeiner die Naturvölker als Vorbild genommen werden, so orientiert sich eine artgerechte Ernährung des Hundes am natürlichen Speiseplan des Wolfes. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist die Naturbelassenheit und ein geringer Anteil von Getreide in der Nahrung.
Ein ganz schönes Dickerchen, der Kleine: Adipositas beim Hund
Ein ganz schönes Dickerchen, der Kleine: Adipositas beim Hund
Alles andere als süß: Diabetes bei unseren Vierbeinern
Diabetes beim Hund unterscheidet sich in Diagnose und Entstehung nicht wesentlich von der gleichnamigen Erkrankung beim Menschen. Anfang, Ende und Ursache dieser Erkrankung ist das in der Bauchspeicheldrüse produzierte Insulin. Wird dieses nicht im ausreichenden Maße zur Verfügung gestellt, kommt es zur mangelhaften Aufnahme von Zucker in die Zellen. Dieser Mangel an Insulin wird als primäre Diabetes-Form (Diabetes Typ 1) bezeichnet und betrifft vor allem erwachsene Hunde. Er entsteht durch eine Überbeanspruchung, Zerstörung oder Infektion der Insulin-produzierenden ß-Zellen in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas).
Eine Überbeanspruchung entsteht beispielsweise durch eine dauerhaft zu fette und kohlenhydrathaltige Fütterung mit viel Getreide und Stärke. Eine Zerstörung der Insulin-bildenden Zellen wird hingegen häufig durch sogenannte Autoimmunreaktionen ausgelöst, bei denen sich das Immunsystem des Hundes gegen die körpereigenen Zellen richtet.
Als sekundäre Diabetes-Form (Diabetes Typ 2) bezeichnet man diejenige Form, bei welcher weniger ein Insulinmangel als vielmehr eine Insulinresistenz vorliegt. Diese Form des Diabetes tritt vor allem bei Adipositas sowie bei Seniorenhunden auf, was ihr den Spitznamen Altersdiabetes eingebracht hat. Übergewicht steht nach aktuellen Studien jedoch unangefochten auf Platz eins als Ursache für Diabetes.
Stress ohne Ende – was für ein Hundeleben.
Burnout, Schlafstörungen, Migräne ... Stress zu haben, scheint heute zum Alltag zu gehören. Früher oder später aber kapituliert der Körper und reagiert auf permanenten Stress jedoch mit ernsthaften Erkrankungen. Der Vierbeiner macht dabei keine Ausnahme. So können Angst, Last und Strapazen nicht nur uns, sondern auch unsere Freunde auf vier Pfoten krank machen.
Stresskrankheiten sind ernst zu nehmende und nachweisbare Erkrankungen. Unter Druck werden die sogenannten Stresshormone Adrenalin und Cortison vom Körper ausgeschüttet. Sie versetzen den Körper in eine erhöhte Alarmbereitschaft, die ihm bei einer Bedrohung eigentlich zur schnellen Flucht verhelfen soll. So werden Blutdruck, Puls und Atemfrequenz erhöht, während Organe wie Haut, Magen und Darm vermindert durchblutet werden. Dieser Zustand ist kurzfristig kein Problem, führt bei längerem Anhalten jedoch zu psychischen und körperlichen Beschwerden.
Die auslösenden Strapazen bei Hunden sind genau wie beim Menschen vielseitig und individuell. Bestimmte Gerüche, Geräusche oder ein veränderter Tagesrhythmus können schon zu einer klassischen Stresssituation für den Hund werden. Aber auch ein Konkurrenzkampf zu anderen Vierbeinern, turbulente Feiertage oder der Umzug in ein neues Zuhause, sowie ein plötzlicher Futterwechsel können zu Strapazen führen. Ebenso bedeutet ein zu hektischer Alltag mit dauerhaftem Lärm purer Stress für viele Vierbeiner. Dem Hund sollten deswegen immer wieder Ruhephasen und Ausflüge in ruhige Naturzonen ermöglicht werden. Denn das beste Mittel gegen Stress ist es, den Hund einfach Hund sein zu lassen.